Ja – mit Gottes Hilfe!

Vor ein paar Jahren hatte ich die große Ehre, Trauzeugin bei einer standesamtlichen Eheschließung zu sein. Als Hochzeitsrede überlegte ich mir, einen Poetry Slam zu dem Thema Ehe vorzutragen. Das Dichten bereitete mir großen Spaß. Meines Erachtens konnte sich das Ergebnis für meine allererste Slam-Erfahrung sehen lassen. Im Folgenden ein Auszug aus dem Text, zum Hören oder Lesen.

Ich brauche nicht weit in den Rückspiegel zurückschauen, um die letzte Vergebungshandlung in meiner Ehe zu suchen. Es kracht natürlich auch bei uns hin und wieder. Oft sind es Missverständnisse, manchmal sprachlich bedingt, manchmal aber auch nur ohne Einfühlungsvermögen und Wertschätzung für den anderen.

Die Streitigkeiten brechen gerne mal mitten aus dem Nichts auf. Das kannst du dir in etwa so vorstellen: Wir sitzen an einem stinknormalen Wochenarbeitstag zum Abendessen am Tisch, halten mit Mühe unsere Augen offen, der Alltag sitzt uns tief im Nacken, lautes Kindergeschrei überlagert unsere eigenen Worte. Aber wir müssen die Zeit nutzen, um uns nach 10 Stunden Abwesenheit über alles Notwendige kurz auszutauschen, denn nach dem Zubettbringen der Kinder schläft einer von uns meist gleich mit ein… In dieser angespannten Küchenatmosphäre fällt dann plötzlich ein falsches Wort, ein Missverständnis entsteht und wums, schon hat das explosive Material in der Luft gezündet.

Während ich das Thema am liebsten gleich geklärt haben möchte, um die Anspannung nicht wie einen schweren Kloß im Hals mit mir herumzutragen, musste ich lernen, dass für meinen Mann eine direkte Aussprache nicht in Frage kommt. Er braucht den Rückzug, um sich zu ordnen und sich runter zu kühlen.

Wichtig ist mir aber, dass wir den Ärger nicht in den neuen Tag mit hineinnehmen. Ich glaube, dass meine Seele in der Nacht nur schwer zur Ruhe kommen würde. Über unserem Bett hängt dazu ein ermutigendes Poster, dass uns unsere Trauzeugin schenkte.
„Always kiss me goodnight“. Es soll uns daran erinnern, dass wir nicht ins Bett gehen, ohne einander vergeben zu haben. Das ist biblischen Ursprungs und geht auf Epheser Kapitel 4, 26 zurück:

Wenn ihr zornig seid, dann ladet nicht Schuld auf euch, indem ihr unversöhnlich bleibt. Lasst die Sonne nicht untergehen, ohne dass ihr einander vergeben habt.

Meistens gelingt uns das. Wir sprechen uns aus und vergeben uns gegenseitig für die Punkte, die uns wehgetan haben. Ich empfinde das als den größten Ego-Überwinder-Schritt, denn manchmal heißt das für mich auch um Vergebung für Handlungen/ Worte zu bitten, die ich im Gegensatz zu ihm nicht als Verletzungen in seine Richtung empfunden habe. Aber in seinen Augen halt schon und das ist entscheidend, genauso gilt das natürlich auch andersherum.

Abschließend bitten wir Gott im Gebet um seinen Segen und Schutz für unsere Ehe. Ohne seine Hilfe geht es nicht. Wir müssen Gottes Werke wie Ehen und Familien in der Welt gut schützen. Darauf weist uns auch der Apostel Paulus gleich im anschließenden Vers im Epheser Brief hin: „Gebt dem Teufel keine Gelegenheit, Unfrieden zu stiften“ (4,27). Die gute und erlösende Nachricht ist aber, dass Jesus in seinem Tod und Auferstehung über das Böse gesiegt hat und wir Anteil an seinem Sieg haben.

„Ja, ich will, mit Gottes Hilfe!“ Das heißt für uns, immer wieder aufs Neue den Weg der Vergebung zu gehen. Es lohnt sich, auch wenn es Überwindung kostet. Gott segne dich!

Foto von unserer standesamtlichen Hochzeit:
© Johnny Budden

3 Gedanken zu „Ja – mit Gottes Hilfe!“

  1. Ja du hast recht …ein Ehe mit Gott ist das geheimniss damit sie immer wieder Neu und Froh bleibt. Vergebung ist nicht immer leicht, aber ist möglich . Unsere nachbarn hatten ein bild in der Küche, das habe ich nie vergeßen : Alle tage gibts kein Wein, Alle tage ist kein Sonntag, Aber Alle tage Will ich recht lieb Zu dir sein!!

  2. Legal, de fato o perdão sempre é necessário e faz toda a diferença. E quando está difícil de perdoar, podemos orar e buscar ajuda daquele que sempre nos perdoa e Ama intensamente.

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