Hinterlassene Spuren

„Ich war erst am nächsten Tag zuhause“. Dieser Satz riss vor über 10 Jahren tiefe Wunden in mein Herz, deren Heilung eine lange Zeit benötigte. Ich nehme dich mit in eine sehr schmerzhafte Zeit. Der Einblick in mein tiefstes Inneres fällt mir nicht leicht, aber nach kurzer Bedenkzeit und Gebet bin ich zu dem Entschluss gekommen, meine Erfahrung zu teilen, denn Scham oder Angst haben keinen Anspruch auf sie.

Die Geschichte liegt schon ein Dutzend Jahre zurück. Sie betrifft meine erste Liebe. Wir lernten uns während der Abizeit kennen. Meinem Empfinden nach hatten wir für eineinhalb Jahre eine sehr vertrauensvolle Beziehung.
Das änderte sich aber schlagartig, als ich eines Abends herausfand, dass er mir fremdgegangen war. In dem Moment fiel ich innerlich wie ein Kartenhaus zusammen. Mein Herz wurde gebrochen.

Nach tränenreicher Aussprache und kurzer Eiszeit zwischen uns versuchte ich noch weiter in unserer Beziehung mit dem Geschehenen zu leben. Aber von da an wurde ich ihm gegenüber sehr misstrauisch. Während ich von ihm noch mehr Liebesbeweise für mich erwartete, wurde sein Freiheitsdrang immer größer. Die beidseitige Trennung wurde unausweichlich.

Als ich zum Studieren wegzog, dachte ich, dass ich den Schmerz schnell hinter mir lassen würde. Aber mit der Zeit fühlte es sich so an, als ob ich an den Folgen des Seitensprungs mehr litt, als an der Verletzung selbst. Denn ich kämpfte innerlich mit Minderwertigkeitsgefühlen.

Ich stellte mir viele Fragen. Was wäre gewesen, wenn wir an dem folgenschweren Abend gemeinsam Zeit verbracht hätten anstelle getrennt voneinander? Ob er seine Untreue damals bereute? Hatte er mich während der Beziehung wirklich geliebt? Mein Selbstwert schrie förmlich nach der Bestätigung, dass ich ihm wichtig gewesen war.
Auch wenn mit der Zeit die Gedanken weniger wurden, in meinem Herzen verblieben die nicht aufgearbeiteten Wunden, was sich bei mir hin und wieder in unruhigen Träumen äußerte.

Als ich neu zum Glauben kam, fragte ich mich, warum Gott diese schmerzhafte Erfahrung in meiner ersten Beziehung nicht verhindert hatte. Mit der Zeit lernte ich aber, dass Gott für das Leid nicht verantwortlich war und er damals mit mir gelitten hatte. Auch wenn es für mich nicht spür- oder sichtbar war.

Heute liegen hinter mir viele Jahre, in denen Gott daran gearbeitet hat, mein Herz wiederherzustellen. Es war ein längerer, aber wichtiger Prozess. Mir tat es gut, mich Freundinnen aus der Kirche zu öffnen, die im Gebet für mich eintraten. Auch weihte ich meinen Ehemann relativ schnell in das Thema ein, da es mir wichtig war, dass er meine Kämpfe kannte und ich bei Bedarf darüber mit ihm sprechen konnte.
Vor allem aber trug zu meiner Heilung bei, dass ich in den Jahren ganz neu erfuhr, wer ich in Gottes Augen bin. Meine Identität in ihm.

  • Ich bin unendlich, bedingungslos geliebt von ihm.
  • Er hat mich im Mutterleib geschaffen, alles an mir ist vollkommen.
  • Er kennt mich in- und auswendig, jedes einzelne Haar auf meinem Kopf ist gezählt.
  • Ich bin wertvoll und kostbar, so sehr, dass er sich selbst für mich am Kreuz hingab.
  • Ich habe eine Bestimmung für das Leben, es ist kein Zufall, da wo ich gesetzt bin.
  • Ich bin absolut gewollt.
  • Er trägt mich und lässt mich nie alleine, auch wenn neue Herausforderungen kommen. 

Mein Mann gab mir noch seine eigene Antwort auf die Frage, warum ich in unsere Ehe mit dieser Vorgeschichte kommen musste.
Er sagte, dass meine persönliche Erfahrung unseren beiden Töchtern später helfen kann, zu verstehen, warum Gott uns Menschen rät, unser (verletzliches) Herz gut zu schützen. Warum es gut ist, zu warten und die eigene Identität als Kind Gottes kennenzulernen und anzunehmen. Von ihm erschaffen, gewollt und geliebt!

Mehr als alles andere behüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus.
(Sprüche 4, 23)

Ja, mögen diese hinterlassene Spuren dafür gut sein. Gott behüte dich!

Ein Gedanke zu „Hinterlassene Spuren“

  1. Deus nos ensina e educa, mesmo em meio a dissabores e lutas. Podemos e devemos confiar nele e a Ele a nossa vida , ações e decisões…

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