Das Leben ist schön

Es war ein herrlich warmer Sommertag. Tag zwei unserer Flitterwochen in Bavaria. Statt Portugal hieß es für uns, Urlaub dahoam. Wir mussten gar nicht weit reisen, um es gut zu haben. Diese Erkenntnis gehört für uns wohl mit zu einer der schönsten Erfahrungen, die uns die Corona Krise lehrte.

Am 02. Juni 2020 wachten wir im 90 km von München entfernten Garmisch-Partenkirchen auf. Unsere Ferienwohnung lag etwas oberhalb der Stadt, sodass wir vom Garten eine traumhafte Aussicht auf die Berge hatten. Dort starteten wir auch mit einem leckeren Frühstück in den Tag, studierten mögliche Wanderwege, schmierten Brote und zogen dann mit Rucksäcken bepackt los in Richtung Partnachklamm. Mhh..das Leben konnte so schön sein.

Nachdem wir die massiven Felswände mit dem tosenden Wasser unter unseren Füßen hinter uns gelassen hatten, wanderten wir spontan und ohne große Überlegung weiter bergauf. Nach ca. vier Stunden kamen wir am Königshaus am Schachen an. Der Aufstieg war anstrengend, aber wir beide waren körperlich in guter Verfassung, da wir zuhause in Vorbereitung auf unsere standesamtliche Hochzeit viele Joggingrunden gedreht hatten.

Es war schon Nachmittag, als wir den Abstieg ansteuerten. Es reizte uns, anstelle eines breiten Forstwegs einen steilen Geröllweg in Serpentinen zu wählen, da uns auf dieser Route ein atemberaubender Panoramablick in das Reintal bis zur Zugspitze erwartete. So stiefelten wir los, konzentriert auf jeden Tritt und geflasht von der Natur und Schönheit der Berge.

Die Stunden vergingen wie im Flug, allerdings wurden die Kilometer gefühlt nicht weniger, dafür die Wanderer. Es fühlte sich an, als ob wir allein auf verlassenem Boden waren. Als meine Füße erste Ermüdungsanzeichen sendeten, unser Wasservorrat sich auf einen Notschluck für jeden reduzierte und wir uns in der Abenddämmerung auch noch verliefen, war meine Stimmung im Keller.

In dieser Situation wäre es ein Leichtes für meinen Mann gewesen, sich von meiner Nörgelei mit runterziehen zu lassen, oder mich in die Schranken zu weisen. Aber und das rechne ich ihm bis heute hoch an, er begegnete mir mit Herz und Humor. Er nahm meine Sorgen ernst und gleichzeitig unseren Zustand aufs Korn. Er machte Witze und schaffte es, dass wir unsere zehnstündige Wanderung mit Stolz und Dankbarkeit (und ganz nebenbei einem tollen Fotoschnappschuss) beendeten.  

Warum erzähle ich diese Geschichte? Weil ich dich ermutigen möchte, dir nicht so schnell die Freude rauben zu lassen, falls du auch hin und wieder ähnliche Situationen erlebst. Frustrationsmomente entstehen schnell, überall sind wir gefordert. Auf der Arbeit, im Alltag (insbesondere mit Kindern), in Beziehungen, in Krankheitsphasen, in Ungerechtigkeiten, im Umgang mit Gefühlen etc. Die Liste könnte ich ewig lang fortführen.

Ich habe mich in der Vergangenheit häufig von negativen Situationen beeinträchtigen lassen. Aber ich bin dabei zu lernen, den Umständen nicht so viel Raum und Macht über mein eigenes Wohlergehen zu geben. Das tut gut. Ich versuche mich bewusst für Dankbarkeit und Freude zu entscheiden und daran festzuhalten, dass das Leben schön und kostbar ist, trotz aller Herausforderungen und entmutigender Nachrichten.

Das bedeutet nicht, dass ich meine Augen vor der Realität verschließe und so tue, als ob alles leicht wäre. Das ist es nicht und wird es nicht, zumindest nicht bis zu dem Zeitpunkt, an dem Jesus ein zweites Mal auf die Erde zurückkommt und die Welt wiederherstellt.

Aber anstatt meinen Blick nur auf mich selbst und meine Sorgen zu richten, blicke ich lieber nach oben. Gott kennt meine Gedanken, er kämpft für mich, er kann die erdrückende Last leichter machen, er schenkt Frieden und Lösungen. Und wenn ich keine Kraft oder innere Ruhe habe, dann erlebe ich es als wohltuend, draußen in der Natur unterwegs zu sein und mich einfach von oben lieben zu lassen.

Zum Abschluss komme ich noch kurz auf den Titel dieses Beitrags zu sprechen. Vielleicht hast du es bereits erahnt. „Das Leben ist schön“ ist eine Anspielung von mir auf den gleichnamigen Film, den ich sehr in mein Herz geschlossen habe und wärmstens empfehlen kann. Der Film handelt von einem äußerst lebensfrohen Vater mit jüdischen Wurzeln, der seinem Sohn das Leben im Konzentrationslager als Abenteuerspiel vortäuscht. Er versucht den größten Schmerz durch Humor zu ertragen, um das unbeschwerte Aufwachsen des Jungens aufrechtzuerhalten.

Diese Geschichte ist natürlich unvergleichbar mit den Frustmomenten, von denen ich hier geschrieben habe. Aber es ist die Einstellung, die mich tief berührt hat und die ich mir auch für mein Leben wünsche. Du dir vielleicht auch?

Ein Gedanke zu „Das Leben ist schön“

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